Zwei Jahre Kleiderkammer in Haan

Leitungsteam zieht positive Bilanz
Kleiderkammer-Info vom 1.3.2017

Leitungsteam (v.l.): Monika, Martina, Brigitte, Friedemann, Heike, Sabine, Janka, Christine

Vor zwei Jahren, am 7. März 2015, feierte die Kleiderkammer mit einem klassischen Sektempfang für Presse und Persönlichkeiten der Stadt ihre offizielle Eröffnung. Grund genug für das 8-köpfige Leitungsteam, beim routinemäßigen monatlichen Leitungstreffen gemeinsam zurück zu blicken auf die vergangenen, ziemlich turbulenten 24 Monate.

„Genau genommen sind es ja schon 25 Monate“, so Angela Brüntrup, Gründerin der Initiative, „weil es vor zwei Jahren Anfang Februar so bitterkalt war, haben wir schon einen Monat vorher mit dem Verkauf von Winterkleidung angefangen - damals im Blauen Haus in der Martin-Luther-Straße.“ In den Räumen, die von der evangelischen Kirchengemeinde mietfrei zur Verfügung gestellt werden, verteilt die Gruppe gespendete Kleidung, Schuhe, Haushaltstextilien und Hausrat an bedürftige Mitbürger. Die Ware muss aus dem damaligen Spendenlager im Untergeschoss des Windhövel-Gebäudes herangeschafft werden. „Die Fahrerei war sehr umständlich und hat viel Kraft gekostet“, erinnert sich Janka Greve, die von Anfang an mit dabei war. In der Initiative engagieren sich zu diesem Zeitpunkt rund 30 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Die Kleiderkammer arbeitet unter der Trägerschaft des SKFM Haan e.V. - ebenso wie ihre 2013 geschlossene Vorläuferin. Zweimal pro Woche ist geöffnet, dienstags am Vormittag und donnerstags am Nachmittag. „Es kamen zunächst in erster Linie Flüchtlinge, um bei uns günstig einzukaufen“, führt Sabine Gross-Seidler aus. „Die Räume waren für den starken Andrang bald zu eng, es konnten nur fünf Kunden gleichzeitig einkaufen. Man musste schon ziemlich viel Geduld mitbringen. Doch die Resonanz war überaus positiv und das half uns über viele Schwierigkeiten hinweg.“

Gut eingespieltes Team

Ab Mitte 2015 werden die Fahrten zwischen Ausgabestelle und Lager noch länger, denn der Eigentümer des Windhövel-Gebäudes kündigt wegen Vermietungsabsichten die bis dato kostenfreie Nutzung. „Das war für uns ein schwerer Schlag“, so Martina Harbecke. „Erst kurz vor dem verabredeten Räumungstermin wurde ein neues Lager gefunden.“ Am 6. Juni 2015 - für die meisten Haaner ein freier Brückentag - zieht das komplette Spendenlager um - mit 40 Paar tatkräftigen Händen, rund 10 privaten PKWs und einem gemieteten LKW. „Das neue Domizil in der Steinkulle 3“, so Friedemann Hausdorf, der das Handwerker-Team der Fahrradwerkstatt leitet, „hat gegenüber dem alten zumindest den Vorteil, dass es ebenerdig zu begehen und zu befahren ist.“ Doch kostenfrei ist es nicht mehr!

Im Oktober 2015 wird die Sporthalle des Gymnasiums mit 150 Flüchtlingen belegt, die direkt von der Grenze kommen. Die Kleiderkammer wird gebeten, warme Kleidung zu liefern. Doris Hemberger erinnert sich: „Es gab einen Rundruf in unser gut eingespieltes Team und am nächsten Tag waren sofort ausreichend Helfer vor Ort, die sich mit Elan an die Arbeit machten. Es wurde für jede Person eine Tragetasche gepackt mit der gewünschten Kleidung und Schuhen in der passenden Größe. Auch Mützen und Schals waren besonders gefragt.“

Mehr Öffnungszeiten - mehr Kunden

Ab Herbst 2015 sind in Haan rund 450 Flüchtlinge untergebracht. Das Wetter wird feuchtkalt. In den Schlangen vor der Kleiderkammer wird es ungemütlich. „Es musste eine bessere Lösung gefunden werden“, meint Monika Nilgen-Labonté. „Die Kunden standen stundenlang im Regen, bevor sie eingelassen werden konnten.“ Manchmal liegt die Lösung ganz nah! Ende November gibt es den nächsten Umzug. Die Verkaufsstelle zieht in die leerstehenden Büroräume neben dem Spendenlager in der Steinkulle 3. „Endlich hatten wir alles unter einem Dach“, freut sich Heike Müller, die sich um die Finanzen der Initiative kümmert. „Genug Platz in den Verkaufsräumen für alle Kunden! Keiner muss warten. Und jetzt kommen auch immer mehr deutsche Mitbürger, die nur über wenig Geld im Monat verfügen und bei uns lebensnotwendige Dinge günstig einkaufen können.“ Allerdings liegen jetzt die Immobilienkosten bei rund 33.000 EUR pro Jahr. Der Betrag wird teilweise über den geringen Kostenbeitrag der Kunden, teilweise über den städtischen Zuschuss und über private Spenden gedeckt. Mittlerweile hat die Kleiderkammer fünfmal pro Woche geöffnet und zählt rund 450 Kunden pro Monat. Das Team ist auf über 90 Personen gewachsen.

„Der wichtigste Faktor für das Funktionieren der Kleiderkammer sind jedoch die Sachspenden der Haaner Bevölkerung“, so Christine Kadach. Sie betreut am Montagabend die zusätzliche Spendenannahme für berufstätige Spender. „Die Spendenbereitschaft hält sich kontinuierlich auf hohem Niveau.“ Besonders groß sei nach wie vor der Bedarf an Herrenkleidung in kleinen Größen. „Erfreulich ist, dass unsere Spendenwunschlisten berücksichtigt werden, mit denen wir einmal im Monat auf userer Website, bei Facebook und per E-Mail an einen großen Unterstützerkreis über unseren aktuellen Spendenbedarf informieren.“

Kleiderkammer-Motto: Menschen einfach helfen!

„Wir haben es in den letzen zwei Jahren geschafft, uns gut zu organisieren, so dass unsere Kunden zufrieden sind und allen im Team die Mitarbeit Freude macht“, führt Brigitte Hausdorf aus. „In den letzten Monaten haben wir uns sogar Zeit zum Nachdenken über unsere Zukunft genommen. Wir wollen kein üblicher Secondhand-Shop sein, sondern wir sind in erster Linie der Uneigennützigkeit und Hilfsbereitschaft verpflichtet.“ Ihr Selbstverständnis, ihre Ziele und Arbeitsprinzipien hat die Gruppe schriftlich zusammengefasst in einem Leitbild, das auf der Website unter www.kleiderkammer-haan.de eingesehen werden kann.

 

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